Dorsch ist
jetzt reichlich
zu haben
Fangquote steht noch nicht fest
Heikendorf — Die Schlange vor dem Fischkutter von Björn Fischer im Möltenorter Hafen reißt nicht ab.
Gerade nach den Festtagen und den Feiern zum Jahreswechsel scheinen Fische, besonders frischgefangene
Dorsche, ganz oben auf den Speisezetteln zu stehen. Das passt gut, denn jetzt ist Hauptfangzeit
für den „Brotfisch" Dorsch, und die Nachfrage kann befriedigt werden. Welche Mengen die 41 in der Fischverwertung
Kieler Förde vereinten Berufsfischer aber am Ende des Jahres eingefahren haben werden, steht zurzeit
noch nicht fest. Über die Höhe der diesjährigen Fangquoten ist noch nicht entschieden worden.
Die Befürchtung der hiesigen Fischer, die von der EU festgeschriebenen Dorschquoten würden im Vergleich
zum Vorjahr um zehn bis 15 Prozent niedriger ausfallen, teilt Gerd Opp nicht. „Die Quote steht zwar
noch nicht fest. Wir gehen aber davon aus, dass sie zumindest so hoch liegt wie im Vorjahr", sagt
der Geschäftsführer der Fischverwertung Kieler Förde.
Da sei den deutschen Ostseefischern der Fang von
insgesamt 12862 Tonnen gestattet worden. 70 Prozent gingen in die Netze der schleswigholsteinischen
Betriebe, und davon wiederum 23 Prozent zogen die 41 Fischer aus Heikendorf, Laboe, Eckernförde,
Schönberg, Stein und Hohwacht an Bord.
Welche Mengen dann letztlich jeder Einzelne von ihnen fangen konnte, wurde nach einem komplizierten
Schlüssel errechnet, in den unter anderem die Größe der Kutter und die Stärke der Motoren mit
einfließen. Ginge es nach Gerd Opp, müsste die Dorschquote für die Ostseefischer um ungefähr 5000
bis 6000 Tonnen höher liegen. Dann kämen die meisten Betriebe wirtschaftlich „einigermaßen klar".
Problematisch ist es, mit der Quote finanziell über das gesamte Jahr zu kommen. Denn ist die Quote
erst einmal ausgeschöpft, bleibt den Meisten nichts anderes übrig, als ihre Kutter still zu legen
zusätzlich zu der gesetzlich verordneten Stillliegezeit vom 15. Juni bis 20. August. Im Vorjahr
sind die vorgegeben Mengen bereits Anfang Oktober so gut wie ausgeschöpft gewesen.
Erschwerend kam nach Auskunft von Opp hinzu, dass keine Stilllegegelder als Ausgleich gezahlt worden sind.
Für 2001 sind diese zwar wieder im Gespräch, müssen von der EU aber noch genehmigt werden.
Dass die diesjährige Dorschquote erheblich höher ausfallen könnte, das bezweifelt Gerd Opp selber.
Zwar haben sich die Dorschbestände in der westlichen Ostsee zwischen Flensburg und Rügen wieder erholt, werden,
bezogen auf die gesamte Ostsee, nach wie vor aber als gering eingestuft. Die Hoffnung daher:
Wenn die Menge nicht gesteigert werden kann, müssten zumindest die Preise stabil bleiben oder sogar weiter
steigen. Der Erzeugerpreis für Dorsch betrug im Vorjahr zwischen 4 und 4,50 Mark pro
Kilo und lag damit um 20 Prozent über dem Niveau von 1999.
Wie viele seiner Kollegen versucht auch Björn Fischer, die seinem Betrieb zugesprochene Dorschquote auf das
Jahr zu verteilen. Das waren 1999 zunächst 50 Tonnen, bis er am Jahresende noch einen „Nachschlag" von
sechs Tonnen erhielt. Die Fänge koppelt der Fischwirtschaftsmeister dabei so gut wie möglich an die
aktuellen Marktpreise. Sind die Preise hoch, wirft er die Netze häufiger aus, sind sie niedrig,
fischt er weniger.
Sieht man einmal von den vorgeschriebenen Stillliegezeiten ab, fährt Björn Fischer mit seinem Vater
Siegfried und Azubi Jan-Philipp Vongehr beinahe jeden Tag auf der 14 Meter langen „Tümmler" in die Kieler
Bucht. Die Crew legt kurz vor Sonnenuntergang ab und kehrt früh morgens nach Möltenort zurück.
Dann steht ein Lkw bereit, um einen Teil des Fanges abzuholen. Den Rest filetieren die Drei und verkaufen
ihn am Vormittag im Hafen. Bis sich dort die Schlangen gelichtet haben, wird es oft Mittag.
Dann bleibt nicht viel Zeit, bis der Kutter für das nächste Auslaufen klar gemacht wird.
Volker Rebehn
(Kieler Nachrichten 10.01.01)